iPhone 4S: Ein Kommentar

iPhone 4S: Ein Kommentar

Gab es eigentlich noch ein anderes Jahr, in dem die Gerüchteküche über das neue iPhone so sehr brodelte, wie es 2011 der Fall war? Es war wieder einmal alles dabei: ein iPhone nano, eine abgespeckte 4er-Version für einen günstigeren Preis, ein iPhone 5 mit einem größeren Display und so weiter und so weiter. Und geben wir es mal ganz offen zu – am Ende hat es echt genervt, oder? Klar ist das iPhone ein Gerät, das die Massen bewegt, seien sie nun Fans des iPhones, oder Gegner. Aber dieser ganze Hype geht weit über das hinaus, was man ertragen kann. Und wenn dann die Keynote in Cupertino stattgefunden hat, ist es dann wie ein befreiendes Gewitter, worauf eine angenehme Stille folgt.

Und dieses Gewitter gab es gestern: Tim Cook, neuer CEO von Apple, und Kollegen stellten das neue iPhone 5 vor. Nicht? Nein? Was? Ein iPhone 4S? Das auch noch genauso aussieht wie ein iPhone 4? Was soll denn der Mist? – Hat man ab 20:40 Uhr Twitter verfolgt, hatte man den Eindruck, als hätte man einen Krieg verloren und geht gesunkenen Hauptes nach Hause. Das war nun wirklich nicht das, was man erwartet hatte. Dabei hat man schon so viele tolle iPhone-Hüllen in den Startlöchern gesehen. Aber nun mal Butter bei die Fische, was hat denn das neue iPhone so?

Siri – Sprachsteuerung

Ich mache es einfach mal andersherum, ich fange mit dem Key-Feature an. Wir haben alle schon gehört, dass sich Apple in das Unternehmen Nuance eingekauft hat, eine Marktführer-Softwarebude, die sich auf Spracherkennung spezialisiert hat. Es soll künftig also möglich sein, sein Gerät per Sprache zu bedienen. Gut, das geht ja heute schon, wenn man beispielsweise im Auto jemanden anrufen möchte zum Beispiel. Aber hier geht es noch sehr viel weiter. Man kann einfach dem Telefon sagen: „Erinnere mich an meinen Hochzeitstag“, und das Telefon legt eine ToDo an. Oder wir fragen das Gerät kurz vor unserem Urlaub: „Wie ist das Wetter morgen in München“, und es öffnet einem jene Information, ohne auch nur einmal das Display berührt zu haben. Auch Termin-Einträge sind möglich, oder das Diktieren von SMS oder E-Mail. Doch braucht man das? Naja, das ist immer so eine Frage. Braucht man überhaupt ein Smartphone? – wäre eine Gegenfrage. Das iPhone ist für viele eine Schaltzentrale des Lebens geworden. Und so, wie man sich an die vielen Annehmlichkeiten gewöhnt hat, die man vor ein paar Jahren auch noch als unnötig bezeichnet hat, so wird man sich vielleicht auch an diese Art der Bedienung gewöhnen und sich diese irgendwann nicht mehr wegdenken wollen.

Zumal man ja auch in die Zukunft schauen muss. Wohin geht denn der Trend? In jedem Sciencefiction steuert man mit Sprache. Und es gibt unzählige Forschungsprojekte, die das Ziel haben, so viel wie möglich mit der Stimme zu bedienen – das geht selbst in die Küche, um Backofen, Herd oder die Lebensmittel-Onlinebestellung zu bedienen. Wenn  Apple sich in diesem Bereich der alltäglichen Nutzung dieser Spracherkennung als erster auf den Markt traut, es von den Kunden angenommen und genutzt wird, dann kann man davon ausgehen, sich das auf diverse andere Bereiche auch ausweitet wird. Und wer weiß: vielleicht muss sich dann jeder andere, der das will, mit den Patentanwälten von Apple auseinandersetzen 😉

Kamera (Foto & Video)

Sage und schreibe eine 8-Megapixel-Kamera wurde in das iPhone 4S eingebaut. Apple ist scheinbar sehr stolz darauf, dass beim weltgrößten Bilderdienst Flickr das iPhone 4 unangefochten auf dem ersten Platz steht, was die Anzahl der Fotos angeht. Sie haben begriffen, dass das iPhone für die User weit mehr ist, als ein Telefon, sondern auch vorrangig als Fotoapparat genutzt wird. Und deswegen ging Apples Entwicklerteam auch hier weiter. Es sind nämlich nicht nur 8 Millionen Pixel, sondern man hat diese auch noch 70% lichtstärker gemacht (Aussage auf der Keynote) und arbeitet nun mit einer Blende f/2.4 (alle Fotografen werden, was das bedeutet). Man hat sogar einen Infrarot-Filter verbaut, damit schädliche Strahlung draußen bleibt und die Farben so noch besser und einheitlicher werden. Durch den neuen A5-Chip kann verzögerungsfrei ausgelöst werden, ein noch besserer Weißabgleich durchgeführt und ein größerer Dynamikumfang erreicht werden. Serienfotos kann man ebenfalls erstellen.

Wer Filme mit dem iPhone drehen möchte, kann dies ab jetzt in FullHD tun – also mit 1080p. Gleichzeitig wird softwaremäßig eine Bildstabilisierung mitgeliefert, die es ermöglicht, aus der Hand heraus einigermaßen saubere Filmchen zu drehen, um diese danach dann auch auf dem Gerät zu schneiden. Aber das kennt man ja schon.

Geschwindigkeit und Akkuleistung

Der neue A5-Prozessor ist da. Das Herzstück des iPhone ist nun noch einmal doppelt so schnell wie das iPhone 4 und bringt eine 7x schnellere Grafik mit. Besonders für diejenigen, die Spiele auf dem Gerät spielen, wird das von besonderem Interesse sein. Und davon soll es ja eine Menge geben, glaubt man den Zahlen von Apple. Wer also vom 3Gs auf das 4S umsteigen wird (so wie ich), bei dem ist dann wohl kein Halten mehr vor Begeisterung.

Der A5 ist auch sparsam. Wenn man sich die Tabelle anschaut, wie lange der Akku halten soll, ist das ebenfalls nicht schlecht. 8 Stunden telefonieren, 200 Stunden Standby, 40 Stunden Musikhören und 10 Stunden Film. Hier hat sich einiges getan!

Fazit und das Nerdtum

Tja, das waren sie auch schon. Nein, vielleicht noch ganz, denn es kommt ja noch iOS5 und die iCloud, die ja bereits schon groß und breit diskutiert wurden. Wenn man sich die Keynote von gestern anschaut, darf man nicht nur auf dieses Stück Hardware betrachten, sondern auch auf das, was auf Apple-Freunde insgesamt zukommt. Die iCloud wird ebenfalls einiges an unserer Arbeitsweise ändern. Ein Dokument zu schreiben und es sofort auf allen Geräten zu haben, die man hat, wird uns noch unabhängiger und flexibler machen. Überall auf der Welt Zugriff auf seine komplette Musik-Datenbank zu haben wird bald kein Traum mehr sein. Und jetzt frage ich: Auf welchem Niveau fangen wir denn hier an zu meckern?

Ich erinnere immer gerne daran, dass nicht Apple den ganzen Hype um ihre Geräte verbreitet. Sie lassen nichts nach außen dringen, wenn es um die Entwicklung und die Ideen ihrer Produkte geht. Den Hype haben die zu verantworten, sich sich den ganzen Tag mit nichts anderem beschäftigen, als sich zu überlegen, was Apple da wohl aushecken könnte. Diese Gedanken werden dann veröffentlicht und anscheinend hängen sich da viele andere mit ran. Sollte diese Ideen dann nicht wahr werden, ist man enttäuscht und vielleicht auch etwas stinkig mit Apple. Aber hey, wer ist denn nun schuld daran?

Klar wäre LTE schon schön gewesen. Aber auch hier: wer hat denn schon LTE im Gerät vernbaut? Wer nutzt diese Technik denn schonausgiebig? Kann es vielleicht sein, dass die Mobilfunkanbieter noch gar nicht so weit sind, um damit in die breite Masse zu gehen? Warum hat das nicht noch ein Jahr Zeit, wenn dann wirklich das iPhone 5 kommt?

Ich habe wirklich nichts gegen Fanboys. Vielleicht bin ich auch ein Stück weit einer. Aber ich kann durchaus verstehen, wenn man mit einem mitleidsvollen Auge auf uns blickt und uns als Freaks abstempelt. Denn wir verhageln uns unseren Ruf als seriöse, erwachsene Menschen selber. Indem wir keine Geduld haben. Nicht abwarten können. Einfach auch mal Dinge hinnehmen können. Es scheint wohl nicht mehr zu reichen, dass wir wissen, dass wir das beste Smartphone überhaupt in den Händen halten. Wir wollen immer das Optimum – nämlich jenes, das wir uns in den Kopf gesetzt haben. Ich finde das überaus peinlich!

Schlussendlich kann ich nur sagen: Well done, Apple! Ich freue mich auf den 14. Oktober 2011!

2 Kommentare

Comments are closed.